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21.07.2017

Der Nordhorner England-Spediteur M + F erwartet lange Verhandlungen um den „Brexit“ – und mehr Arbeit

Der Austritt der Briten aus der EU wird den Warenverkehr mit der britischen Insel teuer und komplizierter machen, kann aber auch eine neue Chance bieten. Davon geht die M+F-Spedition aus. Die Nordhorner machen mehr als ein Viertel ihres Umsatzes mit England-Transporten.

Von Rolf Masselink

NORDHORN. Jeden Tag rollen vom Hof der Nordhorner M+F-Spedition sechs bis acht Lastzüge in Richtung Großbritannien. Transportierten sie Ende der 1970er Jahre noch überwiegend Textilien auf die britische Insel, so werden heute Spielwaren und Kosmetikartikel, Schreibwaren und Textilien und sonstige Konsumgüter aller Art als Sammeltransporte ins Vereinigte Königreich geliefert.
Die M+F-Spedition ist seit ihrer Gründung im Jahre 1978 Spezialist für das England-Business. Das war in den Anfangsjahren das Hauptgeschäft des Unternehmens. Heute macht es noch gut 27 Prozent des Umsatzes aus. Die M+F-Trucks beliefern nicht nur Firmen im Großraum London, sondern steuern auch Ziele an der englischen Ostküste und in Mittelengland an. „Großbritannien ist ein Verbrauchermarkt. Wir liefern wesentlich mehr Ware dorthin als von dort aufs Festland zurück“, sagt M+F-Geschäftsführer Çetin Çelik.

Welche Auswirkungen hat der angekündigte „Brexit“ auf dieses England-Geschäft? „Anfangs gab es eine große Verunsicherung. Da hatten wir sogar einige Anfragen von britischen Kunden nach einer Niederlassung auf dem Festland“, berichtet Manfred Köhler, Geschäftsführer der M+F-Dachgesellschaft Hüttemann-Gruppe. Auch der Kurseinbruch des britischen Pfund nach der Brexit-Ankündigung habe Auswirkungen gehabt. Aber diese „Delle“ sei längst wieder ausgeglichen. Das Tagesgeschäft laufe normal. Die Verunsicherung sei einem kritischen Abwarten gewichen.

Dass die Briten sich mit ihrem Entschluss, der EU den Rücken zu kehren, „keinen Gefallen getan“ haben, steht nicht nur für Manfred Köhler fest. Auch die meisten britischen Geschäftspartner sähen den „Brexit“ als Fehler, sagt er. Großbritannien sei der drittgrößte Konsummarkt in Europa. Das Land sei auf Importe angewiesen, und die Hälfte der Importe komme aus EU-Ländern. Köhler: „An diesen Warenströmen wird sich kaum etwas ändern.“ Sie werden nur teurer, wenn Großbritannien tatsächlich in einem „harten Brexit“ aus der EU austritt.

„Wenn das so kommt, dann schreiben wir eben wieder Zollanträge.“ Dann werde es zwar teurer und komplizierter, Waren nach England zu liefern. Aber geliefert werde auch weiterhin, im Warenverkehr mit der Schweiz funktioniere das ja auch.

Womöglich eröffne gerade dieser zukünftige Zollaufwand auch neue Chancen. Gefragt seien dann Unternehmen, die diese Formalitäten schnell und zuverlässig abwickeln. Und die brauchten dafür womöglich sogar zusätzliche Arbeitskräfte.

Die großen Fragen: Wann kommt der Brexit? Wie sieht er aus? Wie geht’s dann weiter? sehen Köhler und Çelik mit Gelassenheit. Zunächst einmal werde sicher lange um den Brexit verhandelt. Köhler und Çelik vermuten, dass die zweijährige Verhandlungsfrist kaum ausreicht. „Am Ende wird die Zeit knapp und es wird irgendetwas Hektisches beschlossen“, meint Manfred Köhler. Niemand könne heute vorhersagen, ob Premierministerin Theresia May und ihre Regierung dann überhaupt noch im Amt seien.

Mehr Sorgen als in Nordhorn macht man sich offenbar auf der britischen Insel selbst. „Viele unserer Geschäftspartner sind verunsichert. Sie wissen zum Beispiel nicht, was der Brexit für ihre ausländischen Mitarbeiter bedeutet“, berichtet Köhler.

Keine Antwort haben sie bisher auch auf die Frage, welche Auswirkungen der „Brexit“ auf den Warenverkehr mit Irland haben wird. Auch dorthin liefert M+F regelmäßig – bisher ausschließlich über Großbritannien. Wird das Vereinigte Königreich dann zum Transitland für solche Transporte? Oder werden dort fiskalische Hürden aufgebaut, die zu einem Direktverkehr nach Irland zwingen?

„Man überlegt sich schon mögliche Szenarien“, so Köhler. „Aber wir werden uns den neuen Herausforderungen stellen, wenn es soweit ist.“

In 40 Jahren vom Textilspediteur zum Transport- und Logistik-Dienstleister

Seit 1989 gehört die Nordhorner M+F-Spedition zur Duisburger Hüttemann-Gruppe. Die Spedition war 1978 mit dem Schwerpunkt Textiltransporte nach Großbritannien gegründet worden. Auch heute gilt M+F in der Hüttemann-Gruppe als der England-Spezialist. Bis zu zehn Abfahrten täglich starten von Nordhorn auf die Inseln. Ob Teil- und Komplettladungen, Stückgut oder Paketsendungen – die M+F-Spedition bietet das gesamte Spektrum. M+F verfügt in Nordhorn und Gildehaus über zusammen 42.000 Quadratmeter Betriebsfläche und beschäftigt 115 Mitarbeiter. Das Unternehmen gibt für 2016 einen Jahresumsatz von 23 Millionen Euro an. Das England-Geschäft ist daran mit gut 27 Prozent, das übrige internationale Speditionsgeschäft mit 40 Prozent beteiligt. Zehn Prozent des Umsatzes werden mit nationalen Transporten erwirtschaftet, gut 30 Prozent mit Logistik-Dienstleistungen, insbesondere mit Spielwaren.

Die Dachgesellschaft Hüttemann-Holding beschäftigt in ihren verschiedenen Tochterunternehmen zusammen 715 Mitarbeiter und verfügt über 21 eigene Netzwerk- und Logistikstandorte in Europa. Alle News
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